Ehrenamt: Haben wir Zeit?

Gott hat für uns Zeit – und wir?

Wir leben in einer Zeit, in der sich viele gerne über den „Verfall der Werte“ beklagen. Gemeinschaft gehe verloren, Solidarität sei selten geworden, und die Kirche? Die stehe irgendwie daneben. Doch wenn man genauer hinschaut, stellt sich eine unbequeme Frage:
Ist das wirklich das Problem der Kirche oder unseres?
Denn Hand aufs Herz: Wie oft sagen wir, dass uns Gemeinschaft wichtig ist, aber investieren keinen einzigen Abend dafür? Wie oft wünschen wir uns lebendige Gottesdienste, inspirierende Kinderarbeit oder soziale Projekte, aber überlassen all das „den anderen“?
Die Realität in vielen Kirchengemeinden ist ernüchternd:
Ein harter engagierter Kern trägt alles. Meist dieselben Namen und Gesichter. Immer dieselbe Aufopferung der freien Zeit.
Und der Rest? Will er Zeit dafür investieren?
Keine verfügbare Zeit! Gerade in einer Gesellschaft, in der durchschnittlich mehrere Stunden täglich in soziale Medien fließen.
Keine Zeit! Aber Zeit für Serienmarathons, Fitnessprogramme uvm.
Ist das wirklich ein Zeitproblem? Oder eher ein Prioritätenproblem?
Ehrenamt in der Kirche ist längst kein „frommes Extra“ mehr. Es ist das Rückgrat der gesamten Gemeindearbeit. Ohne Freiwillige gibt es keine Jugendarbeit, keine Besuchsdienste, keine Feste, keine offenen Türen…
Und ja, Engagement kostet etwas: Zeit, Energie, manchmal auch Nerven.
Aber es gibt auch etwas zurück, das man nicht kaufen kann: Sinn, echte Begegnung, das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.
Vielleicht ist die eigentliche Provokation nicht, dass sich zu wenige engagieren.
Vielleicht ist die Provokation, dass wir uns daran gewöhnt haben.
Dass wir akzeptieren, Konsumenten von Gemeinschaft zu sein, statt Mitgestalter.
Dass wir erwarten, dass Kirche „liefert“, ohne selbst Teil davon zu werden.

Doch Kirche ist kein reiner Dienstleister. Kirche sind wir!
Vielleicht beginnt Veränderung genau dort, bei einem kleinen Schritt.
Einem Ja.
Einer Stunde Zeit.
Einer Entscheidung gegen die eigene Bequemlichkeit.

Denn am Ende gilt:
Eine lebendige Gemeinde fällt nicht vom Himmel. Sie wird gemacht.
Von denen, die nicht nur glauben, sondern handeln.