Gauangelloch: "Abschied vom Teufel?"
26.09.2026 |
Vortrag von Pfarrer Henn am 22.09.
Der Teufel, präsent in der Bibel, und zwar sowohl im alten wie im neuen Testament, in Malerei, Bildhauerei und Dichtkunst beschäftigt uns bis heute.
Ist er tatsächlich eine Person oder eine Gruppe von Personen? Oder wird hier eine geistige Macht, das Böse, personifiziert, wie es in der „verzauberten Welt“ der Antike und des Mittelalters vielfach vorkam? Und wie ist unsere heutige Sicht darauf? Diesen Fragen ging Pfarrer Henn vor einem zahlreich erschienenen Publikum aus allen Altersgruppen nach. Sein Vortrag folgte dabei einer Zeitachse vom Volk Israel über das Judentum nach dem Exil, die Periode der apokalyptischen Schriften, von denen auch im alten und neuen Testament Beispiele zu finden sind, das Mittelalter (4. Laterankonzil) und die aktuelle Situation wie sie sich in den Texten des 2. Vatikanischen Konzils und Verlautbarungen der Päpste seitdem darstellt.
Begegnet uns der Teufel in der Bibel zum ersten Mal in Gestalt der Schlange, die Eva im Paradies verführt, oder ist das einfach nur ein Trickster, der zwar die Menschen dazu führt, dass sie den Unterschied zwischen Gut und Böse erkennen, damit aber auch ihre Vertreibung aus dem Paradies verursacht? Im Buch Hiob gehört der Teufel dann zu den „Gottessöhnen“, dem Hofstaat Gottes. Er spielt da aber eher die Rolle eines „Staatsanwaltes“, der die Menschen auf ihre Treue zu Gott prüft. Erst mit der Weiterentwicklung der Theologie des Judentums, bei der aus dem einzigen Gott, den Israel verehrt, zu einem Eingottglauben mit JHWH als einzigem Gott wird der Teufel zu einem Widersacher Gottes. Er ist ein Engel, der aus Neid auf den Menschen von Gott abgefallen ist. Damit steht Gott ein personifiziertes Prinzip des Bösen gegenüber, das Geschöpf ist. Ein Dualismus von einem guten und einem bösen Gott, die um die Herrschaft in der Welt ringen, wird so vermieden.
Die ersten Christen übernahmen die jüdischen Vorstellungen vom Teufel unverändert und sahen in ihm daher ebenfalls eine Person, die Gegenspieler Gottes ist. Jesus wird vom Teufel versucht und treibt die Dämonen aus besessenen Menschen aus. Die Lehre vom Teufel als Person wird von den Päpsten und vom 4. Laterankonzil, welches die Geschaffenheit des Teufels und der Dämonen betonte, bestätigt. Auch das 2. Vatikanische Konzil spricht in Gaudium et Spes und in Lumen Gentium von „dem Bösen“ und vom „Fürsten dieser Welt“, verwendet also biblische Bezeichnungen für den Teufel und hat sich daher offensichtlich nicht vom Teufel verabschiedet.
Pfarrer Henn zog aus dieser historischen Betrachtung ein Zwischenfazit, das besagt, dass die Lehre vom Teufel weiterhin katholische Lehre ist, was der katholische Katechismus bestätigt. Die Meinung von Exegeten, die feststellen, dass der Teufelsglaube erst spät in den Büchern der Bibel auftaucht und daher nicht Bestandteil der Offenbarung sei, hält er für tendenziös.
Damit konnte Pfarrer Henn auch auf den Exorzismus zu sprechen kommen, der durch einen Todesfall in den 70er Jahren in Verruf geraten war. Pfarrer Henn betonte, dass es schwierig sei, psychische Erkrankungen und Besessenheit zu unterscheiden. Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Psychiatern sei daher wichtig. In einem Fallbeispiel stellte er die Heilung eines Besessenen durch den Exorzismus eines Priesters, der zugleich Psychiater ist, vor. Er betonte auch, dass Exorzismus einen bischöflichen Auftrag braucht und erklärte, dass die beim Exorzismus gesprochen Gebete sich an Gott richten mit der Bitte, den Patienten von seinem Dämon zu befreien und dass die direkte Ansprache des Dämons nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Die sich anschließende Diskussion zeigte, dass ein großer Teil der Zuhörerinnen und Zuhörer den Auffassungen von Pfarrer Henn zustimmte. Aber es wurden auch Stimmen laut, die sich darum sorgten, dass die Verantwortlichkeit des Menschen durch den Teufelsglauben verwässert werden könnte. Es kommt wohl darauf an, die Handlungsfreiheit des Menschen und damit seine Verantwortung in den Vordergrund zu stellen. Es ist dann sekundär, ob die Einflüsterung des Teufels oder eigene böse Begierde das zur Sünde führende Motiv ist.