Sandhausen: Rückblick auf fünf bereichernde Exerzitienabende

Fünf bereichernde Exerzitienabende im April/Mai mit Dorothe Perdun, dem „Vater unser“ und Zeit für Schweigen und Stille. – Das Gebet der Christenheit zu meinem persönlichen Gebet machen. Zwei Berichte von Teilnehmenden.
 
 
1. Ins Zwiegespräch mit Gott gehen
Das Ankommen in der Werktagskapelle in Stille, nur begleitet durch leise Musik, gab jedem Teilnehmer, jeder Teilnehmerin die Möglichkeit, alles, was er, sie am Tag erlebt hatte, abzulegen und sich ganz auf den Abend einzulassen. Nach einem gemeinsamen Lied durften wir uns an jedem der Abende auf einen Vortrag zu einer Bitte des „Vater unsers“ freuen.
Dorothe Perdun brachte uns in ihren Vorträgen geschichtliche Hintergründe sowie Interpretationen und Überlegungen verschiedener Autorinnen und Autoren zum „Vater unser“ näher. Sie ermutigte uns auf dieser Basis, das „Vater unser“ neu zu beten – es zu unserem Gebet zu machen. Dieses Gebet, das wir seit unserer Kindheit beten bzw. oft genug „plappern“, weil wir es so gut kennen. Wir wurden angeregt, dem „Vater unser“ unsere eigene Note zu geben.
Dies gelang, da am Ende eines jeden Vortrages offene Fragen gestellt wurden, die dazu genutzt werden konnten, über die einzelnen „Abschnitte“ und Bitten in der folgenden Stille nachzudenken und mit Gott ins Zwiegespräch zu gehen.
„Wie möchte ich persönlich Gott im „Vater unser“ ansprechen? Wie geht es mir damit, dass ich durch Gott mit allen Menschen verbunden bin?
Gottes Vergebung, betont Teresa von Ávila, setzt keine Leistung voraus, sondern ist ein Geschenk, das wir annehmen dürfen. Wie gehen wir damit um? Fällt es uns schwer, dass wir nichts leisten müssen, damit uns vergeben wird? Wie gehen wir mit unseren Schuldigern um?
Die Zeit für das stille Zwiegespräch, die persönliche Reflexion und Meditation wurde in der Kirche, der Werktagskapelle oder an der frischen Luft bei einem Spaziergang verbracht. Eine intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Bitten im „Vater unser“ war so möglich. 
Abgeschlossen wurden die Abende mit einem kurzen Impuls und einem gemeinsamen Lied. Danach verließen wir in Stille die Kirche.
Die Abende halfen, das Vater unser tiefer zu verstehen, bewusster zu beten und es zum ganz persönlichen Gebet zu machen.     lw
 
 
2. Fünf inhaltsreiche Abende – Anleitung für die Beziehung mit Gott
Dorothe Perdun hatte zu Exerzitien zum Thema „Vaterunser“ eingeladen. Die Teilnehmer erlebten fünf inhaltsreiche, beeindruckende Abende. Jeder dieser fünf Abende bot einen halbstündigen exegetischen Vortrag zu den einzelnen Versen bzw. „Bitten“ des Vaterunsers, gefolgt von einer halbstündigen Schweigezeit zum Gebet, zur Reflexion über das Gehörte und die damit verbundenen Anregungen. Danach folgte ein abschließender Impuls und die Entlassung der Teilnehmer. Frau Perdun bot für diejenigen, die den Wunsch danach verspürten, die Möglichkeit zum Begleitgespräch an.
Einige Eindrücke, die den Teilnehmern halfen, das Vaterunser tiefer zu verstehen und bewusster zu beten:
Die Gebetsanrede „Abba, Vater“ macht uns die Nähe Gottes zu den Menschen bewusst und ruft uns dazu auf, uns mit allen Menschen als Kinder Gottes verbunden zu fühlen.
Die Bitte „Dein Wille geschehe“ fordert nicht ergebenen Fatalismus von uns und nimmt uns nicht unseren eigenen Willen, sondern soll unser Vertrauen auf Gott zum Ausdruck bringen.
Wenn wir um das tägliche Brot bitten, dann bedeutet dies nicht nur die Erfüllung unserer Lebensbedürfnisse. Wir bitten damit auch um Hoffnung, Zuversicht, Gemeinschaftssinn und Fürsorge füreinander.
Die Bitte „vergib uns … wie auch wir vergeben“ stellt keinen Handel mit Gott dar, nicht Austausch von Leistung und Gegenleistung, sondern hält uns an zu Versöhnung und Frieden in unserem Alltag.
Über die Bitte „führe uns nicht in Versuchung“ wird seit den Zeiten der Kirchenväter diskutiert. Für uns ist entscheidend, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass der liebende Gott uns nicht vorsätzlich der Versuchung ausliefert. Stattdessen dürfen wir um seinen Beistand in der Versuchung bitten, der wir immer wieder ausgesetzt sind.
Zusammenfassend wurde den Teilnehmern bewusst: Das Vaterunser ist nicht nur „das“ Gebet der ganzen Christenheit, das durch die Evangelisten Matthäus (6, 7-15) und Lukas (11, 1-4) auf Jesus selbst zurückgeht, sondern es ist eine Anleitung für unsere Beziehung zu Gott und für ein christliches Leben.     hjb/ug