Mitreißendes Sommer-Konzert in St. Ilgen

"The Spirit of Summer" in der vollen St.-Aegidius-Kirche

Ein musikalischer Gottesdienst voller Leidenschaft und Lebensfreude unter der Leitung von Melanie Jäger-Gubelius.

[akgk] Draußen flimmerte die Sommerhitze bei weit über 30 Grad Celsius, ein kräftiger Wind zog über den Kirchplatz – fast so, als würde der Heilige Geist bereits die Besucher auf das Konzert einstimmen. Im Inneren der katholischen Kirche St. Aegidius herrschte dagegen wohltuende Kühle. Doch musikalisch entwickelte sich der Abend zu einem wahren Feuerwerk: Mit dem Konzert „The Spirit of Summer“ entfachte der Chor „The Spirit“ eine mitreißende Klangfülle, die das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute begeisterte.
 
Schon lange vor Konzertbeginn füllten sich die Kirchenbänke. Jeder Sitzplatz war besetzt, und selbst im hinteren Bereich mussten zahlreiche Besucher stehen, um das Konzert erleben zu können. Eine solch voll besetzte Kirche würde sich wohl jeder Pfarrer auch für den sonntäglichen Gottesdienst wünschen. Doch an diesem Abend war das Konzert selbst ein Gottesdienst – einer, der nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Musik von Hoffnung, Glauben und Gemeinschaft erzählte.
 
Mit viel Liebe hatte Chorleiterin Melanie Jäger-Gubelius das abwechslungsreiche Programm zusammengestellt und den Chor hervorragend vorbereitet. Unter ihrer musikalischen Leitung überzeugten die Sängerinnen und Sänger mit beeindruckender Stimmkraft, präziser Intonation und rhythmischer Sicherheit. Dabei begeisterte der Chor nicht allein mit kraftvollen Gospelklängen, sondern ebenso mit feinen, leisen und berührenden Momenten, die den Zuhörern unter die Haut gingen.
 
Charmant und informativ führte Johannes Wegenkittel durch den Abend. Mit kurzen Erläuterungen zu den einzelnen Werken schuf er den passenden Rahmen und erleichterte den Zuhörern den Zugang zu den unterschiedlichen musikalischen Welten.
 
Bereits der Auftakt setzte ein eindrucksvolles Zeichen. Während die Frauen in strahlendem Weiß und die Männer in weißen Hemden und schwarzen Hosen feierlich in die Kirche einzogen, stimmte Angela Hepp als Solistin das Spiritual „I'm Gonna Sing“ an. Der Chor antwortete kraftvoll – ein bewegender musikalischer Dialog, der sofort Gänsehaut erzeugte und den Geist der Spirituals eindrucksvoll lebendig werden ließ.
 
Das Konzert war eine besondere musikalische Reise. Besonders bei den Spirituals war die Geschichte ihrer Entstehung beinahe greifbar. Man glaubte die Mühen der Baumwollfelder und zugleich die Hoffnung und den unerschütterlichen Glauben der Menschen förmlich zu spüren. Doch das Repertoire reichte weit darüber hinaus: Spirituals und Gospel trafen auf Neues Geistliches Lied, Jazz, Chanson und afrikanische Musik – eine außergewöhnlich abwechslungsreiche Mischung, die dennoch wie aus einem Guss wirkte.
 
Maßgeblichen Anteil am Erfolg des Abends hatte auch die Band, bestehend aus Mitgliedern und Freunden der Band „Spurensuche“ aus St. Leon-Rot die den Chor mit großer musikalischer Sensibilität begleitete und zugleich immer wieder eigene Akzente setzte. Christoph Rehorst überzeugte an den Tasten mit feinfühligem wie virtuosem Spiel. Die Rhythmusgruppe mit Aaron Farinas am Schlagzeug und Dennis Oswald am Bass sorgte für den richtigen Groove, während Thomas Groß-Bölting an der Gitarre harmonische Wärme beisteuerte. Besonders poetische Klangfarben setzte Johanna Berlinger, deren Querflöte mit ihren hellen Tönen Vogelgesang in die Kirche zauberte.
 
Einen besonderen Glanzpunkt setzte Solistin Angela Hepp. Mit ihrer ausdrucksstarken Interpretation von „In This Very Room“ berührte sie die Zuhörer tief. Ebenso eindrucksvoll gelang ihr „You'll Never Walk Alone“, das weit über seine Bekanntheit als Hymne des FC Liverpool hinausreicht und ursprünglich aus dem Broadway-Musical Carousel von 1945 stammt. Mit großer Leidenschaft und stimmlicher Wärme verlieh sie diesem Klassiker eine ganz eigene Intensität.
 
Auch bekannte Titel wie „Und wer dich liebt“ oder „Somebody's Knocking at Your Door“, das die Zuhörer daran erinnerte, auf Gottes Anklopfen im eigenen Herzen zu hören, wurden eindrucksvoll dargeboten. Einen besonderen Kontrast bildete George Gershwins „Summertime“. Anders als in den bekannten jazzigen Interpretationen erklang das ursprünglich als Schlaflied komponierte Werk in einer zurückgenommenen, beinahe schwebenden Fassung, die ihre ganze Schönheit in den leisen Tönen entfaltete.
Mit „Let Us Break Bread“ erinnerte der Chor an das Heilige Abendmahl, bevor die musikalische Reise nach Frankreich führte. Dort erklang „Aux Champs-Élysées“ als liebevoll gestaltetes Duett zweier Verliebter - mit Chorsolist Christoph Hagelweide neben Angela Hepp, getragen vom charmanten „Da-ba-da-ba-dam“ des Chores, das dem Lied eine besondere Leichtigkeit verlieh.
 
Von Paris ging es schließlich nach Afrika. Mit den Liedern „Keleya“ und „Chineke“ sprang der Funke endgültig auf das Publikum über. Rhythmus, Lebensfreude und Temperament erfüllten die Kirche. Die Zuhörer klatschten begeistert mit und ließen sich von den afrikanischen Klängen mitreißen. Für einige Minuten schien der Geist Afrikas in St.Ilgen zu Hause zu sein.
 
Zum Abschluss kehrte das Konzert musikalisch nach Amerika zurück. Mit dem kraftvollen „Praise the Lord – Alleluja“ setzte der Chor einen fulminanten Schlusspunkt unter einen außergewöhnlichen Konzertabend. Tosender Applaus, Standing Ovations und lautstarke Zugaberufe waren der verdiente Lohn.
 
Bevor die Zugabe erklang, bedankten sich die Verantwortlichen bei allen Mitwirkenden. Gemeinsam mit dem Publikum wurde ein Sommersegen gesprochen – ein stiller, besinnlicher Moment, der noch einmal deutlich machte, dass dieser Abend weit mehr gewesen war als ein gewöhnliches Konzert.
 
Mit der Zugabe „Top of the World“, die der Chor komplett auswendig und mit sichtbarer Freude präsentierte, endete ein Konzert voller Wärme, Begeisterung und musikalischer Qualität.
 
„The Spirit of Summer“ war weit mehr als eine Aneinanderreihung schöner Lieder. Es war eine Reise durch Kontinente und Kulturen, durch Glauben und Hoffnung, durch leise Besinnlichkeit und mitreißende Lebensfreude. Chorleiterin Melanie Jäger-Gubelius, der Chor „The Spirit“, die Band „Spurensuche“ sowie alle Solisten schenkten ihrem Publikum einen Abend voller Emotionen, musikalischer Exzellenz und menschlicher Wärme – einen Sommerabend, der den Zuhörern mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben wird.
 
Einen klitzekleinen Live-Mitschnitt finden Sie hier: https://youtu.be/H2lfX1rXMw8
 
Sie haben Lust bekommen bei dem Chor The Spirit mitzusingen? Alle Infos finden Sie auf der neuen Homepage www.kath-wiesloch.de/kirchenmusik